Veranstaltungshinweis

„70. Jahrestag des Wehrmachtsmassakers in Monchio / Italien – 70 Jahre keine Schuldigen?“

Am 26.03.2014 im Centro Sociale --- Sternstr. 2 in Hamburg 20357 ---Beginn ab 19:30

Am 18. März 1944, vor 70 Jahren, verübte die Wehrmachts-Division „Hermann Göring“ in der norditalienischen Region Emilia Romagna mehre Massaker an der Zivilbevölkerung. Allein in Monchio wurden bei diesen Kriegsverbrechen durch die NS-Wehrmacht 71 BewohnerInnen ermordet und der Ort fast vollständig zerstört. Erst 2011 wurden sieben Wehrmachtssoldaten wegen der von ihnen begangenen Verbrechen an der Zivilbevölkerung von einem italienischen Militärgericht verurteilt. Von der deutschen Justiz unbehelligt lebt im Landkreis Stade heute noch einer dieser NS-Kriegsverbrecher. Der ehemalige Förster Alfred L. aus Harsefeld/Ohrensen wurde im Prozess 2011 wegen Beteiligung an Massakern an der Zivilbevölkerung zu 2 x lebenslänglicher Haftstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde im Herbst 2012 in der 2. Instanz in Rom bestätigt.

Zu diesem Prozess schreibt Roberto Tincani vom Verein der Angehörige der Opfer von Monchio: ‘Erst jetzt habe ich meinen Vater weinen sehen, am Jahrestag des 18. März 1944, erst jetzt habe ich ihn den Körper meines toten Großvaters beschreiben hören, all das Blut, und die Verzweiflung meiner Großmutter. Erst jetzt. Vor Gericht, im Prozess‘.

Auf Einladung der Rosa Luxemburg Stiftung berichten Angehörige der Opfer von Monchio und Matthias Durchfeld vom ‚Istoreco’ * in Reggio Emilia über die Wehrmachtsmassaker von 1944 und über den Prozess gegen einige der Täter. Dabei soll es nach nunmehr siebzig Jahren auch um die heutige Auseinandersetzungen mit NS-Kriegsverbrechen und das Gedenken an die Opfer gehen. Außerdem gibt es aktuelle Informationen zur juristischen Situation und den Umgang der BRD mit den Massakern vom Frühjahr 1944.

Für den 27. März ist ab 16°° Uhr eine weitere Veranstaltung in Buxtehude geplant (Ort: Kulturforum am Hafen, Hafenbrücke in Buxtehude).

Die Veranstaltung schließt darüber hinaus an eine Reihe von Aktivitäten der letzten beide Jahre an.

Die Initiative ‚Mai Piu Fascismo‘* hatte zum Jahreswechsel 2012 / 2013 in Hamburg, Buxtehude und anderen deutschen Städten „Die Geige von Cervarolo“ gezeigt, ein Film, der die Kriegs­ver­bre­cher-​Pro­zes­se von Ve­ro­na aus Per­spek­ti­ve der Über­le­ben­den und An­ge­hö­ri­gen der Opfer dokumentiert.

Am 1.12.2012 war der Wohnort des Verurteilten Alfred L. in Harsefeld Anlaufpunkt einer Demonstration gewesen, die die kritische Auseinandersetzung mit Kriegsverbrechen und –verbrechern in der Gegenwart forderte.

Beide Veranstaltungen werden von der Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen und der VVN-BdA Kreisvereinigung Stade, unterstützt.

*Ausserdem weiterführende Links:

http://www.istoreco.re.it/default.asp?page=DEU